Von meiner Enkelin Stina hatte ich vor einigen Wochen eine Einladung bekommmen, in ihrer Klasse, der 5c, am bundesweiten Vorlesetag eine Geschichte vorzulesen. Ich war, zugegebenermaßen, zuerst überrascht - aber dann habe ich mich über die Einladung gefreut.
Gemeinsam haben Stina und ich Geschichten über Till Eulenspiegel ausgesucht, die ich dann vorlesen sollte.
Ganz ehrlich - ich war schon gespannt, wie es heute in der Schule im Unterricht zugeht - meine Schulzeit liegt ja schon mehr als fünfzig Jahre zurück, und man hört ja heute immer wieder über mangelnde Disziplin usw. in den Schulen.
Jedenfalls war ich an dem Vormittag zugegebenermaßen auch etwas nervös, obwohl ich mich auf die Vorlesestunde natürlich vorbereitet hatte.
Mein erster Eindruck, als wir, zwei Großmütter und ich, dann in die Klasse kamen, war positiv. Die Schülerinnen und Schüler saßen nicht mehr wie früher in Bankreihen, das fiel mir zuerst auf. Weiter hatte ich nicht damit gerechnet, dass die Lehrerin und wir von der stehenden Klasse begrüßt wurden.
Ja, und dann ging es ans Vorlesen.
Mir hat es viel Freude bereitet, in einer Klasse, die mucksmäuschenstill war, einige Geschichten vorzulesen. An den Gesichtern der Schülerinnen und Schüler habe ich gemerkt, dass alle konzentriert waren und gespannt zuhörten.
Ja, sie war schon schön, diese Vorlesestunde in einer so aufmerksamen Klasse. Diese Stunde war auch für mich persönlich eine Bereicherung - so etwas könnte hin und wieder mal wiederholt werden.
Schön wäre es, wenn solche Vorlesestunden Anreiz für die Schülerinnen und Schüler bringen, öfter mal ein Buch zu lesen.
(Günter Langemeyer)



